Presse
 

Anlagebetrüger nehmen sich Mittelstand vor

Quelle: Netzeitung.de

03. Februar 2003

Finanzbetrüger haben zunehmend leichtes Spiel. Im vergangenen Jahr wurden Anleger Schätzungen zufolge um 30 Milliarden Euro geprellt. In diesem Jahr dürfte es noch mehr werden.
 
Anlegerschützer warnen vor Finanzbetrügern, die auch erfahrene Investoren sowie mittelständische Unternehmen prellen. «Der massive Vertrauensverlust gegenüber Banken und Beratern verschafft Kapitalbetrügern reichlich Zulauf», sagte der Präsident des Deutschen-Anleger-Schutzbundes (DASB), Klaus Nieding, am Montag in Frankfurt am Main. Der Anleger-Schutzbund forderte die Einrichtung einer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft am Börsenplatz Frankfurt, die sich ausschließlich mit Kapitalmarkt-Delikten befassen soll.
Der DASB schätzt die Summe des durch Betrügereien verlorenen Geldes am staatlich nicht geregelten Grauen Kapitalmarkt im vergangenen Jahr auf 30 Milliarden Euro. Die Tendenz sei steigend.

Hohe Dunkelziffer

Mit seiner Schätzung für 2002 und das laufende Jahr liegt der Anlegerschutzbund deutlich höher als das Bundeskriminalamt. Dieses geht für 2002 von einer Summe ergaunerten Geldes in Höhe von 20 Milliarden Euro aus. Nieding, der selbst als Rechtsanwalt geprellte Anleger vertritt, geht aber von einer «sehr hohen Dunkelziffer» aus, so dass der tatsächliche Betrag um nochmals 50 Prozent höher liege.

Opfer von Anlagebetrügern werden den Angaben zufolge auch erfahrene Investoren. Geschultes Verkaufspersonal verfüge über ein ausgeklügeltes System von Betrugsmaschen. «Es geht hier auch nicht um die wenigen Vermögenden, die einfach zu gierig waren», sagte Nieding. Bei der Masse der Betrogenen handele es sich um ganz durchschnittliche Bürger wie die Großmutter, die durch eine vermeintlich attraktive Anlage für das Studium ihres Enkels sparen wolle.

Gezielt griffen die Täter in jüngster Zeit aktuelle Entwicklungen auf, um damit auf Kundenfang zu gehen, erklärte Nieding. So erschienen in den vergangenen Monaten Anzeigen in Tageszeitungen, in denen gezielt Mittelständler angesprochen wurden, ihr Vermögen vor den Steuererhöhungen der rot-grünen Bundesregierung in Sicherheit zu bringen. (nz)

Mehr in der Netzeitung - Fünf Jahre Haft wegen Anlagebetrug (11. Juni 2001)
 

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