| 13.10.2005
Frankfurter Neue Presse
Der Phoenix-Skandal steht im Mittelpunkt der Anlegerschutztage
Frankfurt. Die Stimmung unter den Geschädigten der Phoenix Kapitaldienst
GmbH bei der Gläubiger-Versammlung vor gut einer Woche war gedrückt.
Das verwundert nicht, schließlich handelt es sich um einen der wohl größten
Anlagebetrugs-Skandale in Deutschland. Der Fall Phoenix ist auch Thema mehrerer
Vorträge der vierten Anleger-Schutztage an diesem Wochenende. Sie werden
vom gemeinnützigen Deutschen Anleger-Schutzbund (DASB) ausgerichtet.
Rechtsanwalt Klaus Nieding, Präsident des DASB, spricht bei Phoenix von
einem Musterdelikt im so genannten grauen Kapitalmarkt, also dem Teil der Finanzmärkte,
der keiner staatlichen Aufsicht oder anderen Reglementierungen unterliegt. Bei
rund 30 000 Geschädigten sei die ganze Bandbreite gesellschaftlicher Gruppen
betroffen. Phoenix soll Privatanleger mit dem falschen Versprechen hoher Renditen
betrogen haben. Der Gesamtschaden beläuft sich auf hunderte Millionen Euro.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt. Im Juni wurden die Phoenix-Geschäftsführerin
und der Chefhändler in Untersuchungshaft genommen.
«Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ließ sich
im Fall Phoenix lange hinhalten», sagt Nieding. Anlegerschützer und
Verbraucherzentralen hatten, schon lange bevor die BaFin im März dieses
Jahres den Geschäftsbetrieb untersagte, vor riskanten und unseriösen
Anlagen bei Phoenix gewarnt. Phoenix versuchte mit vielen Argumenten, die Bedenken
von Anlegern zu zerstreuen. Der Finanzdienstleister konnte zum Beispiel darauf
verweisen, 2002 einer Sonderprüfung der BaFin unterzogen worden zu sein – ohne
Ergebnis. «Das hat einen großen Werbeeffekt», sagt Nieding.
Er erinnert an die schon 2002 seitens des DASB gestellte Forderung nach einer
zentralen Zuständigkeit bei der Staatsanwaltschaft für Kapitalmarkt-Delikte.
Er hofft, dass nun im Rahmen der Föderalismusdebatte Bewegung in die Sache
komme. «Wenn die Staatsanwaltschaften erst mal mit den Akten Ping-pong
spielen, ist das Geld der Anleger weg», warnte DASB-Beirat Klaus-Dieter
Benner.
Phoenix ist kein Einzelfall. Im grauen Markt versickern jährlich viele Milliarden
Euro. Der DASB hat eine Check-Liste entwickelt, anhand derer Anleger unseriöse
Angebote erkennen können. «Man sollte immer vorsichtig sein, wenn
ein Anbieter zu Hause oder am Arbeitsplatz unaufgefordert anruft», warnt
Nieding. Ein weiteres Signal seien sehr hohe Gewinne. Auch wenn der Anrufer auf
einen schnellen Geschäftsabschluss drängt oder das Unternehmen seinen
Sitz im Ausland hat, ist Skepsis geboten. Häufig werde ein Drei-Stufen-System
angewandt, sagt Nieding: Nach einem erfolgreich verlaufenen kleinen Geschäft
wird dem Anleger vorgeschlagen, eine große zweite Summe einzusetzen. Diese
geht verloren. Um den Verlust auszugleichen, soll der Anleger einen noch größeren
Betrag einsetzen.
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